Carl Eugen bricht hastig, unter ungeklärten Umständen mit einem gigantischen Hofstaat nach Venedig auf. Vorgeblich war diese Reise selbstverständlich dem Vergnügen geschuldet. Allerdings stand Carl Eugen zu dieser Zeit politisch gehörig unter Druck. Seine Verschwendungssucht hatte den Reichshofrat auf den Plan gerufen und Carl hätte im schlimmsten Fall seine Macht verlieren können.

So wurden dem Herzog verschiedene andere Gründe für die fluchtartige Reise unterstellt: Einer Theorie folgend hat er die Reise unternommen, um Geld beim Unterhalt seines ausufernd großen Hofstaates zu sparen. Dies klingt angesichts der Tatsache, dass seine Reisegruppe aus über 700 Personen bestand und er am Zielort – weil er sich nicht entscheiden konnte – gleich drei Paläste mietete, allerdings unwahrscheinlich.

Verbreiteter ist die Ansicht, dass er angesichts der verfahrenen Situation einfach Zeit gewinnen wollte. Hätte er aber, wenn ihm wirklich klar gewesen wäre, wie bedrohlich die Situation war, weiterhin so mit dem Geld um sich geworfen?

Die Nachwelt wird es wohl nie erfahren – es sei denn, sie wirft einen Blick in die „Masken der Sinnlichkeit“. ;o)

Auch wenn Vanadis Geschichte kein historischer Roman im näheren Sinne ist, hat er einen historischen Hintergrund: Die „Masken der Sinnlichkeit“ spielen am Hofe Carl Eugens, einem durch seine Verschwendungssucht und Rücksichtslosigkeit bekannt gewordenen Herzog von Württemberg. Er selbst hätte wohl behauptet, sein Lehen zum kulturellen Zentrum Europas gemacht zu haben.

Er baute mehrere neue Schlösser (Neues Schloss Stuttgart, Schloss Solitude, Schloss Hohenheim), lockte die führenden Künstler Europas mit absurden Gagen nach Württemberg und schmückte seinen Hof mit Adeligen aus aller Herren Länder. Es wimmelte bei Hofe von Marschalls, Kammerherrn, Kammerjunkern, Jagdjunkern und Edelknaben ohne Aufgabenbereich, die jedoch großzügig entlohnt wurden. Hinzu kam ein unzählbares Heer von Kammerdienern, Heiducken, Läufern, Köchen, Lakaien und Stallbediensteten, die in die kostspieligsten Livreen ihrer Zeit gekleidet waren. Gleich mehrere Leibwächter-Korps wurden gegründet und in phantasievolle, mit Gold, Silber und kostbaren Pelzen geschmückte Uniformen gesteckt. Insgesamt sollen etwa 2.000 Personen fest zum Hofstaat Carl Eugens gehört haben; darunter allein 20 gut bezahlte Prinzen und Reichsgrafen. Hinzu kamen oft bis zu 300 weitere Personen, die als Gäste verwöhnt wurden. Dem gegenüber standen damals gerade mal 600.000 Einwohner Württembergs, die sich zum größten Teil aus armen Bauernfamilien rekrutierten.

Seine Feste wurden jedoch zu Legenden, die sich allenfalls mit denen des französischen Sonnenkönigs messen konnten. Nur ein paar Beispiele: Zu seinen Geburtstagen wurden Feuerwerke veranstaltet, die in einer Minute eine halbe Tonne Gold verschlangen. Für einzelne Feste ließ er Orangen- und Zitronenbäume importieren oder – als kleine Andenken – unbezahlbare Blumensträuße aus Porzellan an die anwesenden Damen verschenken.

Außerdem liebte er die „Jagd“, zu der er regelmäßig in verschiedenen Spielarten einlud. Hierzu ließ er wilde Tiere in Gatter sperren in denen sie dann gemütlich von seinen Gäste abgeknallt werden konnten. Eine andere Variante waren Wasserjagden im Gebirge. Um diese zu realisieren verschleppte er Bauern, die dann Gräben ausheben, mit Ton füllen und andere Gewässer umleiten mussten. Damit die feinen Herren sich nicht zu sehr anstrengen mussten, wurden die Bauer anschließend gezwungen, Wild über die neu entstandene Wasserfläche – und damit auf den „Präsentierteller“ – zu treiben. Dabei war es Carl Eugen gleichgültig, was in dieser Zeit mit den Feldern seiner Untertanen geschah.

Um all diese Pracht finanzieren zu können, vergab Carl Eugen Amt und Würden an den Meistbietenden. Eine andere Einnahmequelle waren junge Männer, die er vor der Kirche zusammenfangen und als Kanonenfutter an andere Länder verkaufen ließ.

Sein Umgang mit Frauen war ebenfalls legendär: Er erließ ein Gesetz, nach dem alle Frauen, mit denen er intim gewesen war, blaue Schuhe zu tragen hatten. Anderen Frauen war dies jedoch verboten. Dies sorgte für einen regelrechten Boom unter den Schustern Württembergs. Denn Carl hielt sich nicht nur mehrere Kurtisanen; fast alle Tänzerinnen seiner Theater und Opern mussten blaue Schuhe tragen. Hinzu kam ein unübersehbares Heer von Dienstmädchen, die er ebenfalls in sein Bett holte. Besonders letztere wurden häufig mit oder gegen ihren Willen in die Betten der Adeligen seines Hofes geholt. Wurde eine von ihnen schwanger, erhielt sie 50 Gulden und wurde ohne weitere Rechte davongejagt.

Grobanner

Ludwigsburg 1766. Der despotische Herzog Carl Eugen von Württemberg ist auf dem Höhepunkt seiner Verschwendungssucht angekommen und presst sein Volk mit Hilfe seines heimtückischen französischen Beraters, dem Grafen von Montmartin, rücksichtslos aus. Rauschende Feste und Ausschweifungen aller Art sind bei Hofe an der Tagesordnung.

Dies ist die sündige Welt, in die das naive Bauernmädchen "Vanadis" hineingerät. Unfreiwillig schaut sie hinter die glamorösen Kulissen des europäischen Hochadels und stößt auf manch schmutziges Geheimnis. Doch verstörender als alle Auswüchse, die die Dekadenz des Hofes hervorbringt, ist die Aufmerksamtkeit eines unheimlichen Fremden. Eines Mannes, von dem Vanadis nur sicher weiß, dass er kein Mensch ist.

Vanadis Schicksal erfüllt sich auf einer herzoglichen Reise nach Venedig. In der Stadt, in der sich für mehrere Wochen im Jahr Wirklichkeit und Phantasie zu vermischen scheinen, entdeckt sie eine Welt hinter dem Vorhang des Scheinbaren, die ihre Vorstellung von Realität, Hingabe, Schrecken und Adel grundlegend verändert.

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Vanadis wähnt sich ihrem Traum ganz nahe. Auch als Dienstmädchen glaubt sie, in der glamourösen Welt des Fürstenhofes am Ziel ihrer Wünsche angekommen zu sein. Zu Spät erkennt sie, dass die Vergnügungen adliger Kavaliere für die beteiligten jungen Mädchen selten angenehm sind.

Doch die Angst vor den weichlichen Adligen des Hofes beschäftigt sie nur kurz. Der Blick eines geheimnsivollen Fremden streicht wie die Klinge eines Dolches über die geheimsten Teile ihres Körpers, schneidet bis in ihre Seele und verfolgt sie bis in ihre Träume. Ohne ein einziges Wort zeigt der Unbekannte mit den zeitlosen Augen Vanadis die wahre Bedeutung von Furcht, Stolz und Demut. Gut und böse - ja, Vanadis ganze Welt - verliert vor seiner Präsenz jede Bedeutung. Schnell begreift sie, dass sie nur zwischen sinnloser Flucht und dem Weg der Hingabe wählen kann, der schließlich ihr eigenes Leben kosten muss.

Am Ende steht eine Reise an einen verborgenen Ort, der sein Spiegelbild in ihrem Innern findet. In der lüsternen Maskenwelt Venedigs erfüllt sich schließlich ihr Schicksal.

Verlag: Fabylon Verlag
Reihe: Ars Amoris
Preis: 14,90 € / 3.99 € (eBook)
ISBN: 978-3-927071-40-7

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