»Der brennende Rabe« von Guido Krain ist eine furiose und über weite Strecken hochgradig lustige Fortsetzung und für einen zweiten Band mehr als gelungen. Ganz besonders das schräge Pärchen Pali und Lorn könnte sich schnell eine eigene Fangemeinde erobern. Eine vergnügliche Politur für die alte Tante Space Opera.

Ralf Steinberg (Fantasyguide.de)


SF, die geschickt klassische Motive mit neuen Entwicklungen und Protagonisten mischt und packend unterhält.

Carsten Kuhr (Phantastik-News.de)

 

Dieser Humor hat auch einen ernsten Unterton und schlägt unvermittelt von der Komödie zur Tragödie um. Das fand ich, so sehr ich auch auf Humor und Klamauk stehe, ausnehmend gut gelungen.

Alfred Kruse (SF-Dinosaurier)

 

Bisher liefert O.R.I.O.N. genau das, was man dem Leser versprochen hat: Space Opera. Guido Krain hat einen spannenden, gut lesbaren Roman mit einer deutlichen Prise Humor vorgelegt.

Uwe Weiher (Zauberspiegel)

Licht aus.
Licht an.
Die Bewusstlosigkeit kam und ging blitzartig wie ein Stromschlag. Sie war so schnell über mich gekommen, dass mein Kopf mit dem Abspeichern der Geschehnisse nicht nachgekommen war. Das blaue Glühen des Hyperraums … was ist der Unterschied zwischen einem Dreieck und Essiggurken? … Zwölf Minuten bis Austritt … nasse, weiße Haare ...
Die letzten Minuten vor dem Licht aus schwammen wie ein undurchsichtiges Bilder-Potpourri in meinem Kopf.

Nein, stellte ich fest. Nicht nur mein Gedächtnis hatte ein Problem. Meine Sicht war seltsam unscharf und farbarm. Ich war desorientiert und kaum in der Lage, einen klaren Gedanken fassen. Pali lag zusammengesunken auf der Couch. Der Anblick gab mir einen Stich und ließ mich taumelnd hochkommen. Ich konnte mich nicht erinnern, mich schon einmal so schwach und unbeholfen gefühlt zu haben. Als ich zu der kleinen Blauen hinüberging, wäre ich beinahe auf sie gestürzt.

Ich mochte es, dass sie in meiner Kabine immer barfuß herumlief. Sie hatte niedliche blaue Füße …
Der Gedanke schwebte losgelöst und sinnfrei durch meinen Kopf. Was war nur los mit mir? Verwirrt schaute ich auf sie hinunter und wartete. Ich musste schließlich wissen, wie schwer sie verletzt war. Ein Dutzend Herzschläge wartete ich, aber der Erkenntnisgewinn blieb aus.

„Computer?“ Es war ein Selbstgespräch und sollte es auch sein. Die nervtötende zweite Stimme in meinem Verstand gehörte so sehr zu mir wie meine Hände. Er war ich. Aber er antwortete nicht. Das erste Mal seit hundertzwanzig Jahren war ich allein in meinem Kopf. Der Schreck brachte endlich wieder Struktur in meine faserigen Gedankengänge.
Ich hatte nicht Lynx, sondern Computer gesagt. Der Schiffscomputer hätte sich angesprochen fühlen müssen, aber auch er schwieg. Mit einem Mal wurde mir die entsetzliche Stille bewusst. Nicht das kleinste Geräusch war zu hören. Kein dunkles Brummen der Maschinen, kein leises Murmeln aus den Versorgungsleitungen von Palis seltsamer Badewanne – nichts. Das Schiff war tot. Erst jetzt registrierte ich, dass es stockfinster war. Meine Augen hatten sich automatisch auf Wärmestrahlung umgestellt, was die Farbarmut erklärte. Dass ich überhaupt Farben unterscheiden konnte, bedeutete, dass zumindest ein Teil des Gefechtscomputers noch arbeitete. Aber warum sah ich so unscharf?
Erleichtert nahm ich zur Kenntnis, dass wenigstens die Sicherheitssysteme funktioniert hatten. Die großen Panoramafenster waren von robusten Schotts … Ich unterbrach den dummen Gedanken, wie es gewöhnlich Lynx‘ Aufgabe war. Meine Kabine befand sich auf Deck 34 in Sektion 0 – mitten im Schiff. Meine Kabine hatte gar keine Fenster, sondern nur sehr realistische Bildschirme, die sich als Fenster ausgaben.
Mit der Plötzlichkeit einer unerwarteten Ohrfeige gewannen meine Sinne die gewohnte Schärfe zurück. Endlich hörte ich Palis Herz schlagen. Gesunde, gleichmäßige Atemzüge hoben und senkten ihre Brust. Auch mein Verstand lief endlich wieder rund und machte mich handlungsfähig. Irgendeine Katastrophe war über uns hereingebrochen; vielleicht hatte uns das Gleiche erwischt, wie das seltsame alte Geisterschiff. Noch war der Raum dicht und der Boden offensichtlich gravitonisch geladen, sodass wir keine Probleme mit der Schwerelosigkeit hatten. Wie lange das noch der Fall sein würde, konnte aber niemand sagen; ich musste die Kleine dringend in einen Raumanzug stecken.
Mit sanftem Schütteln versuchte ich, sie zu wecken, aber sie rührte sich nicht. Wie eine leblose Puppe lag sie in meinen Armen. Zu allem Überfluss trug sie auch nicht ihre Uniform – sie hasste es wirklich, wie „alle Anderen“ auszusehen. Nicht, dass eine Uniform sie den anderen Besatzungsmitgliedern wesentlich ähnlicher gemacht hätte. Blaue Haut, lange weiße Strubbelhaare und ihre Flausen fielen schon etwas aus dem Rahmen.
Sie trug ihren merkwürdigen Mammutpullover, der ihr bis zu den Knöcheln reichte und nichts darunter. Undeutlich erinnerte ich mich, dass sie nebenan gebadet hatte, bevor mir die Lichter ausgegangen waren. Da sie so nicht in den Raumanzug passte, begann ich, ihr zögernd den Pullover auszuziehen. Es fühlte sich … seltsam an. Falsch. Ich mochte Frauen, und die Kleine hatte mir gar nicht erst die Wahl gelassen, sie nicht zu mögen oder auch nur mitzuentscheiden, ob sie bei mir einzog. Und sicher hatte ich die Fähigkeiten meiner Augen schon Millionen Mal dazu missbraucht, ihr durch die Kleidung zu schauen. Aber völlig nackt hatte ich sie noch nie gesehen. Kurz oberhalb der Knie verhielt ich. Was war nur los mit mir? Gerade bei so etwas war ich doch sonst nicht so zimperlich und hätte eher „dann wird es aber Zeit“ gedacht. Außerdem ging es hier nicht um Genuss, sondern um einen Notfall! Meine Gedanken waren extrem unprofessionell.
Bitte warten, dachte es wie zur Bestätigung in meinem Kopf. Lynx! Er ging wieder online! Ich hätte nie geglaubt, dass ich mich eines Tages darüber freuen würde.
Primäre Speicherbanken gelöscht. Systemstatus wird aus quasiorganischem Back-up rekonstruiert.
„Lorn?“, fragte die Kleine schläfrig. Ihre riesigen violetten Augen blinzelten blind in die Finsternis. Sie schmatzte, als hätte sie einen schlechten Geschmack im Mund.
„Hm?“
„Ziehst du mich gerade aus?“
„Ja.“
„Oh?“ Mit einem Mal war sie hellwach und schaute mit weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit. Gegen meinen Willen musste ich grinsen. Widerwillig nahm ich die Hand von ihren Oberschenkeln, aber sie rührte sich noch immer nicht.
Rekonstruktion komplett. Einheit ist kampfbereit. Führe detaillierten Systemtest durch. Taktische Analyse wird vorbereitet.
Plötzlich flammte das Kabinenlicht auf und ein entnervender auf- und abschwellender Alarmton heulte durch das Schiff. Meine Blitzabsorber kamen gut mit der Situation zurecht, Pali schloss jedoch geblendet die Augen. Licht und Lärm blieben aber die einzigen Anzeichen dafür, dass die Eos noch nicht völlig tot war. Der Formleger und Palis diverse Apparaturen blieben ebenso dunkel wie die Pseudofenster. Nur das Com zeigte mit einem flackernden holographischen Siegel an, dass es zumindest versuchte, seine Funktionsbereitschaft wieder herzustellen. Offenbar war nur der Notreaktor angesprungen und Energiemangel schien nicht das einzige Problem der Technik an Bord zu sein.
Alarmzeichen erkannt. Code 000-4: Katastrophenalarm. Alles nicht zum unmittelbaren Betrieb des Schiffs erforder¬liche Personal wird zur Vorbereitung der Evakuierung aufgefordert. Die Crews von Shuttles und Beibooten haben sich umgehend bei ihren Kommandanten zu melden. Extrapoliere: Vernichtung des Schiffs ist in den nächsten fünfzehn Minuten nicht zu erwarten.
Lynx hatte eine reizende Art, mich auf einen richtig miesen Tag einzustimmen.