... von Sandra Florean (2015) PDF Drucken

Original: Sandra Florans vampirischer Autorenblog
Interview von Sandra Florean

Interview: Guido Krain über Wegwerfobjekte und seinen neuen Steampunk-Roman


Vor Jahren brachte mir ein guter Freund "Elfenmond" von Guido Krain mit, was mir sehr gut gefallen hat. Entsprechend groß war meine Freude, Guido als Verlagskollegen des bookshouse Verlages zu bekommen und ihn dann auch noch auf der Nordcon in Hamburg persönlich kennen gelernt zu haben. Natürlich hab ich ihn gleich zum Interview gebeten. Wir plauderten nicht nur über seinen neuen Steampunk-Roman, sondern auch über Qualität auf dem Buchmarkt und Wegwerfobjekten ...

Buchtitel
Die Schwarze Victoria

Genre/Zielgruppe
Steampunk/Steamfantasy/Abenteuer

 

Sandra Florean:

Was ist das Besondere an Deinem Buch? Warum sollten die Leser gerade Dein Buch kaufen?

Guido Krain

Weil ich sonst zu ihnen nach Hause komme und ihre Jules Verne-Sammlung zerreisse ;o)

Nein, das mache ich natürlich nur, wenn ich sehr schlecht gelaunt bin.
Der eigentliche Grund ist natürlich, dass der Roman – meiner zugegebenerweise nicht ganz unvoreingenommenen Meinung nach – ein ganz besonderes Kopfkinoerlebnis bietet. Ein etwas naiver Club außergewöhnlicher Persönlichkeiten stürzt sich mit Tee und Plätzchen im Gepäck in ein – wie es zunächst scheint – harmloses Abenteuer. Außerdem geht es um geheimnisvolle Visionen eines kleinen Jungen, Schicksal, Verschwörungen, Intrigen und die Erforschung einer unbekannten Welt.


Sandra Florean:

Hast Du eine Lieblingsstelle in Deinem Buch? (gerne ein schönes Zitat oder so)

Guido Krain

Eine Lieblingsstelle in dem Sinne habe ich nicht. Aber vielleicht etwas verwirrendes?

»Ich würde ja in meinem Überschwang die Etikette vergessen und Ihnen um den Hals fallen.« Lady Catherine schmunzelte spöttisch. »Einem Helden steht ein solcher Empfang sicherlich zu, aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich damit gern warten, bis Sie sich gereinigt und Ihr Gepäck abgelegt haben.« Bei den letzten Worten warf sie stirnrunzelnd einen Blick auf Calder Quinn, der Sir Arthur erst auf den Rücken gebunden und dann geklebt worden war.


Sandra Florean:

Magst Du uns ein bisschen mehr über Dich erzählen?

Guido Krain

Das nenne ich mal eine offene Frage ;o)
Ich selbst bin jemand, der lieber gar nicht so viel von den Autoren, deren Bücher er mag, wissen möchte. Das ist zuweilen sehr enttäuschend. Dementsprechend fällt es mir schwer einzuschätzen, was meine Leser interessieren könnte.
Seit ich lesen kann, verschlinge ich phantastische Literatur. Außerdem bin ich begeisterter Rollenspieler – mein erster Roman nahm seinen Anfang in einem Rollenspiel. Dass ich mit dem Schreiben von Romanen mal den Großteil meiner Zeit zubringen würde, ahnte ich da noch nicht. Seit ich mein eigenes Geld verdiene, habe ich das aber mit meiner Tastatur gemacht.
Nach dem Studium startete ich mit einer journalistischen Ausbildung ins Berufsleben und habe dann für Zeitschriften, Zeitungen, Matern- und Onlinedienste gearbeitet. Dann entdeckte ich im Fachbuchbereich, wie viel spannender es ist, ganze Bücher zu schreiben. Schließlich wechselte ich in die Belletristik und fühle mich hier sehr wohl.


Sandra Florean:

Du bist ja ein "alter Hase" im Buchgeschäft. Bevor ich Dich persönlich kennengelernt habe, habe ich Deinen Roman "Elfenmond" gelesen, der bereits 2000 erschienen ist. Wie schafft man es, sich so lange im hart umkämpften Buchmarkt zu halten?

Guido Krain

Ich glaube da gibt es nicht wirklich ein Geheimrezept. Man muss das Glück haben, sein Publikum zu finden und von Verlagen eine Chance zu bekommen. Und man muss streng mit sich sein. Jeden Tag schreiben und – vor allem – die Qualität halten oder verbessern. Dazu gehört auch, sich selbst treu zu bleiben bzw. die eigenen Grenzen zu kennen und anzuerkennen. Ich kenne z.B. Autoren, die einen Roman innerhalb einer Woche fertig schreiben können und damit Erfolg haben. Das wäre mir nicht möglich. Genauso kann ich keinen Liebes-, Frauen oder Dark Romance-Roman schreiben. Ich würde nicht nur miese Qualität abgeben, sondern auch die Lust am Schreiben verlieren.

Literatopia:

Wie sehr haben sich die Zeiten geändert, jetzt, wo es jedem Schreiberling so leicht gemacht wird, ein Buch zu veröffentlichen?

Guido Krain

Sehr. Bücher von Profis gehen jetzt in einer Flut von Texten unter. Dabei ist für den Leser nur noch mit Mühe zu erkennen, ob er einen Roman oder eine Kurzgeschichte vor sich hat, ob der Text lektoriert wurde oder ob er überhaupt ein lesbares Niveau erreicht. Die vielen Kostenlosaktionen tun ein Übriges, um Bücher immer mehr zu einem billigen Wegwerfobjekt zu machen, für das immer weniger Menschen Geld ausgeben wollen.
Damit will ich natürlich nicht sagen, dass Veröffentlichungen von Selfpublischern grundsätzlich schlechtere Qualität als Verlagsprodukte haben müssen. Ich habe da ein paar sehr beeindruckende Gegenbeispiele entdeckt – aber leider sind die eher die Ausnahme.
Der Markt ist nunmal zum Tummelplatz von Amateuren geworden – und damit meine ich nicht nur Autoren, sondern auch Lektoren und Rezensenten. Das macht den Markt zwar sehr bunt, aber auch sehr chaotisch und billig. Vom Schreiben zu leben wird dadurch immer schwerer.

 

Sandra Florean:

Deine Buchthemen sind ja breit gefächert. Von Fantasy über Steampunk, Science Fiction und Erotik bis hin zu Krimis schreibst Du alles. Liest Du privat auch aus allen Genres und Sparten? Hast Du dennoch ein Lieblingsgenre?

Guido Krain:

Privat lese ich vor allem Science Fiction, Steampunk, Cyberpunk und Fantasy-Romane. Das sind eigentlich auch die Sparten, in denen ich am liebsten schreibe. Ein paar Ausnahmen gibt es natürlich immer.

 

Sandra Florean:

Ich nehme mal an, Du bekommst auch ganz konkrete Aufträge/Anfragen von Verlagen/Agenturen. Übernimmst Du dann auch Aufträge zu Genre, die Dir eigentlich nicht liegen? Wie schaffst Du es, das dennoch zu schreiben?

Guido Krain:

Ich übernehme grundsätzlich keine Aufträge für Romane, denen ich nichts abgewinnen kann. Ich glaube, wenn man die eigene Geschichte nicht spannend findet, wird das auch sonst niemand tun. Ich würde also zumindest in meinen Augen schlechte Arbeit abliefern und das sollte man als Autor niemals tun.
Wenn ich in Genres schreibe, die mich nicht rasend reizen, sorge ich dafür, dass mich andere Teile des Romans faszinieren. Also zum Beispiel der Plot oder die Charaktere.

 

Sandra Florean:

Jüngst hast Du Dich an der Anthologie „Die Knochenkirche“ beteiligt – worum geht es in Deiner Geschichte? Und hast Du die Beiträge Deiner Kollegen gelesen?

Guido Krain:

In meiner Geschichte geht es um die Pest, die Europa im 14. Jahrhundert in einer beispiellosen Welle des Schreckens entvölkert hat – und warum die Pest späterer Jahrhunderte viel harmloser verlief. Und es geht darum, dass Seuchen und Menschen zuweilen große Ähnlichkeit miteinander haben.

Ich hatte leider noch keine Gelegenheit alle Beiträge meiner Kollegen zu lesen. Bis jetzt war das Echo aber sehr positiv.

 

Literatopia:

Du gibst viele Lesungen und fährst auf (Groß-) Veranstaltungen in ganz Deutschland. Warum machst Du das? Was genau „bringt“ es Dir? Viele Autoren sind ja der Meinung, Lesungen werden überbewertet, da oftmals schlecht besucht, ergo sehen sie kein Interesse seitens der Leser. Siehst Du das auch so?

Guido Krain:

Das Gros der Lesungen bringt sicher realtiv wenig. Einige sind jedoch unglaublich wertvoll für mich gewesen – sowohl was Verkäufe anging als auch persönliches Feedback. Ich habe regelrechte Fans kennengelernt und mitbekommen, wieviel einige meiner Figuren anderen Menschen bedeuten. Das ist sehr motivierend.
Ich bin ja selbst eher der Typ, der am liebsten nur schreiben würde und die Vermarktungen anderen überlassen möchte. Nur leider funktioniert das heutzutage nicht mehr. Wer es wirklich ernst mit dem Schreiben meint, muss den Lesern zumindest die Gelegenheit für einen persönlichen Kontakt geben.

 

Sandra Florean:

Wie wird es mit Dir schriftstellerisch weitergehen?

Guido Krain:

Der dritte Teil der O.R.I.O.N. Space Opera „Das Herz des Krieger“ ist gerade im Lektorat und wird noch im Oktober diesen Jahres erscheinen. Außerdem habe ich gerade meinen ersten Krimi „Die Zahnfee“ beim Oldigor-Verlag abgegeben. Und im Augenblick schreibe ich „Der Todesfürst“ für den Rouven-Finn Verlag. Ein kleiner Ausflug ins Gruselgenre ;o)

 

Sandra Florean:

Vielen Dank, lieber Guido Krain, für Deine Zeit und die tollen Antworten. Die Textstelle ist in der Tat verwirrend, hat mich aber auch neugierig gemacht. Deshalb habe ich mir bei Guido direkt ein signiertes Exemplar der Schwarzen Victoria bestellt. Auf amazon findet ihr übrigens auch eine Leseprobe. Also, schnell reinlesen!