...von Alisha Bionda zum Thema "Argentum Noctis" (Literra) PDF Drucken

Original: Literra.info
Interview von Alisha Bionda

Alisha Bionda führte einen weiteren Teil des umfangreichen Interviews mit GUIDO KRAIN

A.B.: Lieber Guido, und weiter geht es in dem „Interview-Reigen“. Dieses Mal möchte ich mit Dir über Deinen aktuellen Roman ARGENTUM NOCTIS plaudern, der ja in meiner STEAMPUNK Reihe bei Fabylon erschienen ist. Was hat Dich an dem Genre gereizt?


G.K.: Die Eleganz des viktorianischen Zeitalters gepaart mit der Freiheit, unmögliche Apparaturen zu erfinden ist für einen Phantastik-Autor schon etwas Tolles. Nicht einmal in der Science Fiction kann man sich beim Verbiegen der Naturgesetze vergleichbare Freiheiten herausnehmen. Steampunk nimmt sich selbst nicht ernst und es gibt noch keine „verbalen Trampelpfade“. Das sollte ich vielleicht erklären:
Wenn ich zum Beispiel in einem Fantasy-Roman von einem Elfen spreche, haben die Leser in der Regel nicht nur ein äußerlich festes Bild vor Augen, sondern nageln der Figur unbewusst auch einen ganzen Stapel von Charakterzügen und Eigenschaften ans Bein. Dafür muss ich die Figur nicht einmal als „Elfen“ bezeichnen, es reicht, sie elfenähnlich zu beschreiben.
Das sorgt zuweilen für Enttäuschungen und erschwert das Erzählen. Beim Steampunk gibt es derartige Archetypen noch nicht.


A.B.: Was hat der Leser in ARGENTUM NOCTIS zu erwarten?

G.K.: Ich hoffe, ein paar sehr vergnügliche Stunden. Ich finde den Klappentext sehr passend – insbesondere den Teil mit der Büchse der Pandora, die nicht gleichzeitig geschlossen und erforscht werden kann.
ARGENTUM NOCTIS spielt in einem fiktiven London von 1874. Der Fortschritt liegt in den Händen genialer Tüftler und Erfinder. Charles Eagleton, ist einer dieser Pioniere und zudem ein urbritischer Gentleman untadeligen Rufes. So kann er natürlich nicht beiseite stehen, als einer seiner Erfinderkollegen mit wunderlichen Angewohnheiten auffällt. Der zänkische alte Mann hat alle Hausangestellten entlassen, taucht immer seltener in der Öffentlichkeit auf und leiht sich die absonderlichsten Erfindungen Eagletons für seine Arbeit aus. Zudem hat er sich einen Hochofen beschafft, wurde er beim Herumschleichen auf Friedhöfen beobachtet und deckt sich bei Versteigerungen scheinbar wahllos mit altem Plunder ein.
Den Ausschlag gibt aber die Tatsache, dass der wunderliche Kauz der Vater von Rachel Fiddlebury – Charles Angebeteter – ist. Und die Machenschaften des alten Mannes gehen alles andere als spurlos an seiner Tochter vorüber. Als Charles endlich hinter dieses Geheimnis kommt wird jedoch klar, dass es nur Teil eines noch viel gewaltigeren Mysteriums ist.


A.B.: Welche Charaktere des Romans stehen Dir am Nächsten?

G.K.: Ich mag sie natürlich alle sehr. Es kommt nur selten vor, dass ich meine Romanfiguren gar nicht leiden kann. Allerdings muss ich natürlich gestehen, dass mich mit Mr Bradley, der mir ja die gesamte Geschichte erzählt hat, und Fifi, die uns währendessen mit Erfrischungen versorgte, ein besonders enges Band verbindet. Vermutlich würde dies auch für Julie gelten, aber Mr Bradley hat mir leider nicht viele Gelegenheiten gegeben, sie näher kennen zu lernen …

A.B.: Mich hat in dem Roman besonders FIFI, das Steam-Dienstmädchen erreicht. Wir kamst Du auf die Idee zu ihr?

G.K.: Ich freue mich, dass Du sie so magst.
Fifi war weniger eine Idee, als eine Eingebung. Schon im Augenblick Deiner Anfrage zum Roman stand sie mir vor Augen. Das ist umso erstaunlicher, weil sich meine Geschichten nur selten von Figuren ausgehend entwickeln – vor allem, wenn sie selbst ja gar nicht das Zentrum der Handlung sind. Trotzdem war sie vom ersten Augenblick sehr „real“ in meinem Kopf.
So war es ein großes Glück für mich, als Du mir vorgeschlagen hast, für den ersten Band Deiner Steampunk-Reihe eine in sich abgeschlossene Prologstory zu ARGENTUM NOCTIS zu schreiben. So konnte ich ihr eine würdige Entstehungsgeschichte geben.


A.B.: Aber auch die Ratte Bradley hat „etwas“. Er und Fifi geben dem Roman so ein konstantes, unterschwelliges Augenzwinkern. Ist Dir das in Deinen Romanen wichtig?

G.K.: Ich muss gestehen, dass ich über so etwas nicht wirklich nachdenke. Ich erzähle einfach eine Geschichte und bin am Ende häufig selbst überrascht, was dabei herausgekommen ist. Bei meinem letzten Roman „MASKEN DER SINNLICHKEIT“ kommt derartiges ja so gut wie gar nicht vor. Und in meinem nächsten Roman – den ich gerade fertig geschrieben habe – werden sich die Geister vermutlich streiten, ob es ein „unterschwelliges Augenzwinkern“ gibt.
Was ich aber gar nicht leiden kann sind Bücher, von denen man depressiv wird. In meinen Romanen kann es manchmal düster werden, eventuell geschehen schreckliche Dinge und es wird auch mal nachdenklich. Was ich aber nie abliefern möchte sind Romane, die man mit gedrückter Stimmung beiseite legt.


A.B.: Würde es Dich reizen eine Fortsetzung zu ARGENTUM NOCTIS zu schreiben?

G.K.: Auf jeden Fall. Da gibt es sogar schon einen nebulösen Plot, den mir Mr Bradley dafür aber noch etwas genauer auseinander setzen müsste. Mr Eagleton hat nun einmal ein Talent dafür, mit seiner Arbeitswut in Schwierigkeiten zu geraten.


A.B.: Wird es von Dir dieses Jahr Lesungen mit Deinen Romanen geben? Z.b. mit ARGENTUM NOCTIS und DIE MASKEN DER SINNLICHKEIT? Wenn ja wo?

G.K.: Derzeit gibt es eine Leserunde bei Lovelybooks). Im Sommer ist außerdem eine Lesung auf der FeenCon in Bad Godesberg bei Bonn geplant, aber da können durchaus noch Lesungen hinzu kommen.

A.B.: Wie findest Du die Aufmachung von ARGENTUM NOCTIS? Wie die Cover-und Innengrafiken, wie die Covergestaltung?

G.K.: Ich muss gestehen, dass ich ein hemmungslos romantischer Buchfan bin, der sich trotz seiner Technikbegeisterung wohl nie wirklich mit eBooks anfreunden wird. Und die Aufmachung von ARGENTUM NOCTIS ist wohl einer der besten Belege dafür, warum das so ist.
Ganz besonders liebe ich die Schmutzseite und die Szenentrenner – beides Dinge, die mir bisher sonst nur in Deiner Meisterdetektive-Reihe derartig positiv aufgefallen sind. Es sind eben häufig die kleinen Dinge, die das Besondere ausmachen. Man bekommt den Eindruck, etwas außergewöhnlich Hochwertiges in Händen zu halten.
Das Reihenlayout finde ich ebenfalls großartig steampunkig und ich finde, dass sich Silber erstaulicherweise ebenso wie die Kupfertöne der ersten beiden Bände für den Steampunk-Look eignet.
Mit Bildern zu meinen Romanen habe ich schon immer ein Problem gehabt, weil ich meine Charaktere immer in fotographischer Klarheit vor Augen habe. Und dieses Buch ist ein erstklassiges Beispiel dafür: Crossvalley Smith hat sich für das Coverbild mit beeindruckender Genauigkeit an meine Beschreibung gehalten – trotzdem hat das Bild keine große Ähnlichkeit mit meinem „inneren Bild“ von Fifi. Aber ein Illustrator kann einem Autor ja auch nicht in den Kopf schauen. Die Innengrafiken finde ich sehr gelungen, elegant und vom Stil her extrem passend. Am besten finde ich das Bild von Julie, auch wenn sie – wie könnte es anders sein – natürlich anders aussieht als ich sie mir vorstelle.
Ich bin jedenfalls sehr dankbar dafür, dass sich so viele Menschen mit so offensichtlicher Sorgfalt und Liebe zum Detail bemüht haben, meinem Roman einen perfekten Rahmen zu verschaffen.


A.B.: Woran schreibst Du derzeit? Auf was können sich die Leser neben ARGENTUM NOCTIS noch alles freuen?

G.K.: Das ist ja schon wieder eine Bilderfrage ;o).
Ich habe gerade einen Mystery-Thriller für den Oldigor Verlag fertig geschrieben. Es geht um ein altes Gemälde, das jemand offensichtlich loswerden wollte, indem er es mit Farbe übergoss, in einen Tresor einschloss und im Fundament seines Hauses versenkte. Warum der Unbekannte es nicht einfach verbrannte oder wenigstens den Rahmen aus massivem Gold behielt, scheint unerklärlich. Das Bild wird zum Lebensinhalt der leicht spleenigen Restauratorin Lea, die das Geheimnis schließlich lüftet – was sie vielleicht besser gelassen hätte.
Der Roman wird voraussichtlich im März 2014 erscheinen.
Darüber hinaus schreibe ich an weiteren Projekten, auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt zu sprechen kommen möchte.


A.B.: Vielen Dank für das Beantworten meiner Fragen. Das nächste Mal möchte ich wie schon länger geplant mit Dir über Deine Kurzgeschichten plaudern.

G.K: Da bin ich sehr gespannt. Danke für Dein Interesse und bis zum nächsten Mal.