...von Elke Meyer für "Ladys Lit" PDF Drucken

Original: Lady's Lit
Interview von Elke Meyer
Anlass: "Masken der Sinnlichkeit"

L.L.: Lieber Guido, wann kam Ihnen die erste Romanidee? Können Sie sich noch an den Moment erinnern? Gab es einen Auslöser?
G.K.: Romanideen hatte ich schon von frühester Jugend an. Das erste Mal konkretisiert habe ich eine solche Idee aber erst im Studium, mit 19 Jahren. Es war ein düsterer Science Fiction-Schinken, den ich aber nie fertig gestellt habe. Der Auslöser war vielleicht, dass ich relativ allein in einer fremden Stadt festsaß und jemanden zum Kommunizieren brauchte. Und Papier ist ja bekanntlich geduldig.

L.L.: Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie Biologie, Japanologie und Medienkultur studiert haben. Inwiefern prägen diese Studien Ihre literarische Arbeit?
G.K.: Es ist schwer zu sagen, ob meine Studien meine Arbeit prägen oder ob ich meine Studienfächer gewählt habe, weil ich mich bestimmte Dinge faszinieren. So fasziniert es mich hinter die Dinge zu schauen und Zusammenhänge zu erkennen. Wenn man sich intensiv mit den Naturwissenschaften befasst, eröffnen sich ganze Welten, die dem Durchschnittsmenschen verschlossen bleiben. Unsere Wirklichkeit ist unfassbar komplex und man bekommt zuweilen erstaunliche Antworten, wenn man sich zum Beispiel fragt, warum Lebewesen aussehen, wie sie nunmal aussehen. Oder warum wir Menschen dazu tendieren, abergläubisch zu sein. Alles hat einen Grund. Und genau das ist es, was mich so fasziniert.
Wenn ich eine fiktive Welt erschaffe, bemühe ich mich darum, diese Welt in sich stimmig zu machen. In einer Fantasy-Welt bedeutet dies zum Beispiel, eigene Naturgesetze zu definieren und sich auch an diese zu halten. Wirklich fremde Wesen sehen eben nicht nur anders aus, sondern verhalten sich auch nicht wie Menschen. Dies gilt für meine Fantasy-Romane ebenso wie für Science Fiction oder Steampunk. An der Welt, die hinter "Elfenmond" und "Cvon" steht, habe ich viele Jahre gearbeitet, bevor der erste Roman erschien. Für "Argentum Noctis", dem Steampunkroman, an dem ich aktuell arbeite, habe ich nicht so viel Zeit, aber ich plane auch hier, keine Kompromisse zu machen.
Japanologie war für mich aus einem anderen Grund interessant: die japanische Kultur - besonders die alte japanische Kultur ist so faszinierend anders als die unsere, dass sie selbst aus einem Fantasy-Roman stammen könnte. Das schlägt sich sogar in der Sprache nieder. Um flüssig japanisch sprechen zu können muss man "anders" und "in einer anderen Reihenfolge" denken. Dieses Phänomen gibt es wohl in jeder Fremdsprache, aber im Japanischen ist dies wirklich extrem. Hier wurde mir bewusst, wie sehr eine Sprache eine Denkweise beeinflusst. Im Japanischen gibt es zum Beispiel kein Futur. Viele Begriffe sind nur schwammig definiert und es gibt sehr viele gleichklingende Worte, die man bei uns als "Teekesselchen" bezeichnen würde. Der Sinn dieser Worte wird dann nur aus dem Zusammenhang klar. Außerdem drückt jede Anrede ein bestimmtes Verhältnis zwischen Sprecher und Zuhörer aus. Anders ausgedrückt: Wer japanisch wirklich beherrscht, ist in der Lage, extrem poetisch, mehrdeutig und unterschwellig freundlich oder unfreundlich zu sein. Und genau das ist meiner Meinung nach der Grund, der uns japanische Poesie, Kunst und Kultur so fremdartig erscheinen lässt. Mir ist bei diesem Studium wieder einmal klar geworden, wie wunderbar präzise deutsch eigentlich ist.
In meine Arbeit ist dies insofern eingeflossen, als dass ich bei der Kreation von Fantasy-Welten sehr viel Wert auf Sprachen lege. Gerade bei "Cvon" ist das wohl immer wieder zum Ausdruck gekommen.

L.L.: Bitte erzählen Sie uns doch etwas über das Entstehen Ihres letzten Romans "Masken der Sinnlichkeit".
G.K.: "Masken der Sinnlichkeit" ist in drei Monaten entstanden. Da es mein erster Roman mit historischem Hintergrund war, rechnete ich mit langen Recherchen, um einen passenden Ort für die Handlung zu finden. Doch erstaunlicherweise fand ich schon nach wenigen Stunden einen deutschen Landesfürsten, der in meinen Roman passte, als wäre er dafür erfunden worden. Carl Eugen von Württemberg war ein verschwenderischer Despot, der den Begriff "Dekadenz" ganz neu definiert hat und sich in erster Linie für schöne Frauen interessierte. Dann brach der Mann auch noch völlig überstürzt aus ungeklärten Gründen nach Venedig auf, um sich dem Karneval hinzugeben - Perfekt. Auch die restliche Arbeit erwies sich als sehr flüssig und angenehm.

L.L.: Was hat Sie dazu bewogen einen erotischen Roman zu schreiben?
G.K.: Es hat einfach alles gepasst. Die Herausgeberin Alisha Bionda hat mir angeboten, einen Roman für ihre Reihe "Ars Amoris" zu schreiben, an dessen erstem Band ich mich schon mit einer Kurzgeschichte beteiligen konnte. Erklärtermaßen geht es in dieser Reihe darum, ein möglichst breites Spektrum erotischer Phantastik abzubilden und somit eine Art "Gesamtkunstwerk" zu schaffen. Ich erhielt also die Gelegenheit, etwas - wie ich meine - völlig neues auszuprobieren: Ich wollte einen Roman schreiben, der sein Etikett "erotisch" nicht in erster Linie durch ausschweifende Schilderung von Sexszenen verdient, sondern durch etwas im Hintergrund schwelendes. Ich war sozusagen auf der Suche nach der "Essenz" dessen, was sich im eigentlichen Akt entlädt. Ich denke, mir ist das ganz gut gelungen. Und "nebenher" habe ich auch noch eine, wie ich meine, recht spannende Geschichte erzählt.
Ich denke, dass Alisha Bionda sich mit ihren Reihen sehr um die deutsche Literaturszene verdient macht, indem sie neue Ideen einfach zulässt. Gerade die Reihe Ars Amoris zeigt, dass erotische Phantastik eben nicht - wie allgemein üblich - auf Vampire und Werwölfe reduziert werden sollte. Die schönste Sache der Welt hat eben viele Facetten.

L.L.: Welche Ihrer Helden mögen Sie am meisten und weshalb? Würden Sie einem oder mehreren gerne in der Realität begegne?
G.K.: Ich mag nicht nur meine Helden sondern auch die meisten meiner Fieslinge, auch wenn ich nicht unbedingt jedem von denen begegnen wollte ;o). Am allerliebsten würde ich nicht nur meinen Helden begegnen, sondern auch die Welten Besuchen. In der Elfenmondwelt würde ich dann am liebsten auch gleich bleiben.

L.L.: In welchen Genres schreiben Sie und in welchen würden Sie gerne auch schreiben?
G.K.: Ich bin ganz klar Phantastik-Autor. Meine Genres sind Fantasy, Science Fiction, Steampunk, Cyberpunk und Horror. Ich habe in all diesen Genres schon geschrieben, wenngleich mir noch eine Veröffentlichung im Cyberpunk-Genre fehlt. Eine Ausnahme mache ich für den Krimi-Bereich. Wieder war es hier Alisha Bionda, die mir mit ihrer Sherlock Holmes-Anthologie "der verwunschene Schädel" einen "Schubs" in eine neue Richtung gegeben hat.

L.L.: Wir stellen immer gern noch ein paar "private" Fragen, um den Autor den LeserInnen näher zu bringen.

L.L.: Gibt es ein bestimmtes Schreibritual bei Ihnen?
G.K.: Nein, ich glaube nicht.

L.L.: Zu welcher Tageszeit schreiben Sie gewöhnlich?
G.K.: Grundsätzlich nachts.

L.L.: Lieben Sie Musik? Wenn ja, welche Richtung?
G.K.: Da bin ich sehr vielseitig interessiert. Ich bin zum Beispiel ein großer Doro Pesch Fan. Für mich persönlich ist ihr "Love me in Black" eine Art Soundtrack zu "Luna" aus "Elfenmond" - Praktisch jeder meiner Helden und Schurken hat wohl irgendwann seine Hymne. Die großartigste Stimme aller Zeiten hat für meine Ohren Alannah Myles. Ich liebe aber auch gute Filmmusik wie zum Beispiel "Crimson Tide"

L.L.: Welcher Schriftsteller fasziniert Sie und weshalb?
G.K.: Elaine Cunningham ist ganz klar meine Favoritin, auch wenn man sie im Original lesen muss, um sie wirklich zu genießen. Diese Frau hat eine Magie in der Sprache - sagenhaft.

L.L.: Sind Sie ein Langschläfer oder ein Frühaufsteher?
G.K.: Da ich meistens nachts arbeite, muss ich mich wohl als Langschläfer bezeichnen, auch wenn ich selten mehr als 5 oder 6 Stunden schlafe.

L.L.: Was ist hier Lieblingsgericht?
G.K.: Ich bin ein viel zu begeisterter Esser und habe viele Lieblingsgerichte. Zu meinen absoluten Favoriten zählt aber Sauerbraten.

L.L.: Jeder Mensch hat ja einen Tick, eine Marotte. Welches ist ihrer?
G.K.: Ich habe mir einen riesigen schwarzen Kühlschrank neben meinen Schreibtisch gestellt, um meine Versorgung mir gekühlten Getränken sicherzustellen. Zählt das?

Das zählt, lieber Guido.*Lach*

Wir danken Guido Krain für das sympathische Interview!