Der Hof Carl Eugens PDF Drucken

Auch wenn Vanadis Geschichte kein historischer Roman im näheren Sinne ist, hat er einen historischen Hintergrund: Die „Masken der Sinnlichkeit“ spielen am Hofe Carl Eugens, einem durch seine Verschwendungssucht und Rücksichtslosigkeit bekannt gewordenen Herzog von Württemberg. Er selbst hätte wohl behauptet, sein Lehen zum kulturellen Zentrum Europas gemacht zu haben.

Er baute mehrere neue Schlösser (Neues Schloss Stuttgart, Schloss Solitude, Schloss Hohenheim), lockte die führenden Künstler Europas mit absurden Gagen nach Württemberg und schmückte seinen Hof mit Adeligen aus aller Herren Länder. Es wimmelte bei Hofe von Marschalls, Kammerherrn, Kammerjunkern, Jagdjunkern und Edelknaben ohne Aufgabenbereich, die jedoch großzügig entlohnt wurden. Hinzu kam ein unzählbares Heer von Kammerdienern, Heiducken, Läufern, Köchen, Lakaien und Stallbediensteten, die in die kostspieligsten Livreen ihrer Zeit gekleidet waren. Gleich mehrere Leibwächter-Korps wurden gegründet und in phantasievolle, mit Gold, Silber und kostbaren Pelzen geschmückte Uniformen gesteckt. Insgesamt sollen etwa 2.000 Personen fest zum Hofstaat Carl Eugens gehört haben; darunter allein 20 gut bezahlte Prinzen und Reichsgrafen. Hinzu kamen oft bis zu 300 weitere Personen, die als Gäste verwöhnt wurden. Dem gegenüber standen damals gerade mal 600.000 Einwohner Württembergs, die sich zum größten Teil aus armen Bauernfamilien rekrutierten.

Seine Feste wurden jedoch zu Legenden, die sich allenfalls mit denen des französischen Sonnenkönigs messen konnten. Nur ein paar Beispiele: Zu seinen Geburtstagen wurden Feuerwerke veranstaltet, die in einer Minute eine halbe Tonne Gold verschlangen. Für einzelne Feste ließ er Orangen- und Zitronenbäume importieren oder – als kleine Andenken – unbezahlbare Blumensträuße aus Porzellan an die anwesenden Damen verschenken.

Außerdem liebte er die „Jagd“, zu der er regelmäßig in verschiedenen Spielarten einlud. Hierzu ließ er wilde Tiere in Gatter sperren in denen sie dann gemütlich von seinen Gäste abgeknallt werden konnten. Eine andere Variante waren Wasserjagden im Gebirge. Um diese zu realisieren verschleppte er Bauern, die dann Gräben ausheben, mit Ton füllen und andere Gewässer umleiten mussten. Damit die feinen Herren sich nicht zu sehr anstrengen mussten, wurden die Bauer anschließend gezwungen, Wild über die neu entstandene Wasserfläche – und damit auf den „Präsentierteller“ – zu treiben. Dabei war es Carl Eugen gleichgültig, was in dieser Zeit mit den Feldern seiner Untertanen geschah.

Um all diese Pracht finanzieren zu können, vergab Carl Eugen Amt und Würden an den Meistbietenden. Eine andere Einnahmequelle waren junge Männer, die er vor der Kirche zusammenfangen und als Kanonenfutter an andere Länder verkaufen ließ.

Sein Umgang mit Frauen war ebenfalls legendär: Er erließ ein Gesetz, nach dem alle Frauen, mit denen er intim gewesen war, blaue Schuhe zu tragen hatten. Anderen Frauen war dies jedoch verboten. Dies sorgte für einen regelrechten Boom unter den Schustern Württembergs. Denn Carl hielt sich nicht nur mehrere Kurtisanen; fast alle Tänzerinnen seiner Theater und Opern mussten blaue Schuhe tragen. Hinzu kam ein unübersehbares Heer von Dienstmädchen, die er ebenfalls in sein Bett holte. Besonders letztere wurden häufig mit oder gegen ihren Willen in die Betten der Adeligen seines Hofes geholt. Wurde eine von ihnen schwanger, erhielt sie 50 Gulden und wurde ohne weitere Rechte davongejagt.