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Rezension von Christoph Heibutzki - Media-Mania.de

Der junge Dvorkin Bendar, der eigentlich Schreiber werden wollte und sollte, hat durch einen Zufall die Möglichkeit, zu einem Magier ausgebildet zu werden. Die Gelegenheit am Schopfe packend nimmt er das Angebot an und begibt sich für die nächsten Jahre in die Ferne, um Magier zu werden. Zwei Dinge aber schneiden besonders ein während der Ausbildung. Zu einem der sprechende Frosch von Dvorkin und zum anderen die Elfe Luna. Beides wird in seinem späteren Leben entscheidende Rollen spielen. Nach und nach bekommt der angehende Magier mit, dass Luna nicht nur von den anderen Scholaren gemieden, sondern vor allem von den Leuten außerhalb der Ausbildungsstätte geradezu gehasst wird. Schon bald wird klar, dass Luna eine schwere Bürde zu tragen hat und dass, um ihr diese abzunehmen, eine weite und vor allem gefährliche Reise nötig ist. Verfolgt von Gegnern versuchen Luna und Dvorkin gemeinsam diese Aufgabe zu bewältigen, auch wenn es ihr Leben kosten sollte.

Was zum Anfang klingt, wie eine typische Fantasyhandlung, ist aber nur ein Aspekt dieser Geschichte in der Welt von „Elfenmond“.

Was dieser Geschichte besondere Tiefe verleiht, ist der Facettenreichtum, der dem Leser geboten wird. Einerseits stößt dieser auf sehr viele bekannte Elemente der Fantasy, wie Elfen, Zwerge und Orks, andererseits gibt es noch etliche andere Rassen, die hier zu Sprache kommen. Auch spielt diese Geschichte nicht vor den für die Fantasy in den letzten Jahren typisch gewordene „mittelalterlichen“ Sicht- und Handlungsweisen, sondern geht teilweise weit darüber hinaus.

Besonders schön sind die vor allem sehr plastisch beschriebenen Charaktere. So macht besonders Dvorkin eine ziemliche Entwicklung in dem Buch durch, die Geschehnisse mit ihm und um ihn herum haben einen Einfluss auf diesen Charakter. Der etwas schusselig und verschüchtert dargestellte Dvorkin bekommt eine Art Übercharakter in Form der Elfe Luna zur Seite gestellt. Während Dvorkins Lebenslauf vor diesem Abenteuer in relativ geregelten Bahnen verlief, bastelt der Autor eine spannende Geschichte um Lunas Werdegang. Eine besondere Rolle fällt auch Ivo, Dvorkins sprechenden Frosch, zu. Doch auch die anderen im Buch vorkommenden Charaktere haben vom Autor eine hohes Maß an Aufmerksamkeit genossen, so dass auch diese nicht inflationär vorkommen und dann gehen dürfen, wenn sie ihren Part erledigt haben. Sie machen eine mehr oder weniger erwartete Entwicklung durch und es ist überraschend mitzuerleben, was diese verändert. Die Gedankengänge, die Gefühle und das feingesponnene Netz, mit dem alles verbunden ist, sind schön herausgearbeitet worden und nachvollziehbar.

Der Schreibstil ist sehr interessant. Einerseits plätschert die Geschichte in einem gemütlichen Plauderton vor sich hin, um sich dann von einem Augenblick auf den anderen massiv zu wandeln. Dann wird die Erzählweise nüchtern, kühl und brutal. Obwohl Elfen, Zwerge und auch Feen vorkommen, viele Anekdoten lustig sind, gibt es ein mindestens genauso hohes Maß an Brutalität. Damit eignet sich das Buch nicht für Kinder. Sehr detailreich beschreibt Guido Krain den Tod von Elfen, Menschen und anderen Wesenheiten. Er zeigt damit auch auf, dass eine Fantasywelt eben kein Kindergarten ist. Die Welt „Elfenmond“ ist neben ihren Farbenreichtum auch düster, grausam und dunkel. Der Autor vermag es geschickt, die Elemente von High-Fantasy und Dark-Fantasy miteinander zu kombinieren, um „Elfenmond“ ein interessantes Gesicht zu verleihen.
Die Geschichte ist spannend, stellenweise rasant erzählt. Es ist angenehm, dass auch unterschiedliche Zeitebenen eingebunden wurden, um dem Leser einmal die aktuelle Geschichte miterleben zu lassen, aber auch die Vergangenheit, womit erklärt wird, warum sich etwas so entwickelt hat, wie es sich jetzt zeigt.
Abgerundet wird das Buch zudem durch Begriffserklärungen für die Welt „Elfenmond“.

Aber es gibt auch einige Negativpunkte. Es sind einige Rechtschreibfehler vorhanden, die sich vor allem gegen Ende der Geschichte häufen. Auch die Erzählweise wirkt gegen Ende hin etwas gehetzter, man hat den Eindruck, der Autor wollte schnell mit dem Werk abschließen. Auch können die fehlenden Seitenzahlen durchaus stören. Somit ist ein Lesezeichen ein unablässiges Instrument, dass man braucht. Da dieses Buch selbst verlegt wird, ist der Preis auch für ein Fantasybuch extrem hoch und wirkt abschreckend.

Trotz der Negativpunkte zählt „Elfenmond“ durch seine spannende Erzählweise, durch die geschickt miteinander verknüpften Handlungsstränge, die sehr lebendigen Charaktere und die sehr plastische Beschreibung der Welt meiner Meinung nach zu den besten Fantasyromanen. Es ist ein sehr guter Debütroman und ein gutes Stück weit weg von der leichten, kommerziellen Fantasy.